Heiligenschein
Ein Heiligenschein ist ein leuchtender Lichtkranz. Er symbolisiert Heiligkeit, Reinheit, göttliches Licht oder eine besondere Tugend. Im übertragenen Sinn, in unserem Alltag bedeutet es, jemand hält sich für besonders unschuldig oder moralisch überlegen. Oder jemand tut so, als hätte er nie etwas falsch gemacht. Oft meinen wir es es ironisch oder spöttisch. Im Alltag hat der „Heiligenschein“ viel weniger mit Religion zu tun als mit Psychologie und sozialem Verhalten. Wir alle wollen uns selbst als gut, richtig und moralisch erleben. Das gehört zu unserem Selbstbild. Doch wenn jemand sehr stark betont, was richtig oder falsch ist, vor allem bei anderen, wirkt das schnell wie „Ich bin moralisch überlegen.“ Das löst natürlich bei uns anderen Widerstand aus. Der „Heiligenschein“ Spruch ist dann so eine Art soziale Bremse. Er signalisiert, übertreib’ s nicht mit deiner moralischen Reinheit. Psychologisch schützen wir unser Selbstbild, indem wir unsere eigenen Fehler relativieren und unsere Motive positiv deuten, sowie bei anderen strenger urteilen. Wenn jemand so tut, als wäre er völlig fehlerfrei, erinnert uns das unbewusst an unsere eigenen Schwächen. Der ironische „Heiligenschein“ Kommentar hilft uns, die Gleichheit wiederherzustellen, denn niemand ist perfekt, daher spiel dich nicht so auf. Auch niemand mag moralische Dominanz und daher gilt in unseren Gruppen oft ein unausgesprochenes Gesetz. Zu viel moralische Überlegenheit stört das Gleichgewicht. Wenn jemand ständig „korrekt“ ist, kann das bei uns anderen Neid, Trotz, Abwehr oder das Gefühl, bewertet zu werden auslösen. Der Spruch ist also auch ein Mittel, jemanden wieder „auf Augenhöhe“ zu holen. Er sagt weniger etwas über Heiligkeit, sondern mehr über unsere menschliche Eitelkeit, unseren Selbstwert und über unsere Gruppendynamik aus.
