Ein Gegenpol ist wichtig
Wir brauchen oft einen Gegenpol, um etwas wirklich erkennen und bewusst wahrnehmen zu können. Vieles wird für uns erst durch einen Kontrast sichtbar. Licht erkennen wir im Verhältnis zur Dunkelheit, Ruhe durch Unruhe, Nähe durch Distanz und Freiheit durch Einschränkung. Der Gegenpol hilft uns dabei, Unterschiede wahrzunehmen und somit unseren Erfahrungen Bedeutung zu geben. Manchmal zeigt sich dieser Gegenpol erst im Laufe unseres Lebens. Solange etwas selbstverständlich ist, nehmen wir es oft kaum bewusst wahr. Erst wenn es fehlt oder sein Gegenteil auftaucht, erkennen wir, was vorher da war. So kann es beispielsweise passieren, dass erst die Stille uns erfahrbar macht, wie laut unser vorheriger Alltag eigentlich gewesen ist. In diesem Sinne kann der Gegenpol wie ein Spiegel wirken. Er zeigt uns nicht unbedingt etwas völlig Neues, sondern macht etwas sichtbar, das bereits vorhanden war, uns aber bisher nicht bewusst gewesen ist. Manchmal brauchen wir also die Erfahrung des Anderen, um das Eigene wirklich zu verstehen. Vielleicht liegt darin sogar auch ein grundlegendes Prinzip von Erkenntnis. Wir erkennen vieles nicht nur durch das, was etwas ist, sondern auch durch das, wovon es sich unterscheidet. Erst im Kontrast werden bestimmte Eigenschaften, Erfahrungen und Zusammenhänge für uns deutlich.