Wir tragen Masken
Im Alltag tragen wir fast immer Masken. Oft sind das keine „Verstellungssünden“, sondern es ist einfach ein sozialer Funktionsmechanismus. Wir passen unseren Ausdruck, unseren Tonfall und unser Verhalten an die Situation an, damit unser Zusammenleben reibungslos funktioniert. Mit „Maske“ ist meist gemeint, dass wir nicht immer alles zeigen, was wir fühlen oder denken. Wir regulieren den äußeren Eindruck, um für uns Sicherheit herzustellen, um Zugehörigkeit zu signalisieren, um Erwartungen zu erfüllen, oder um uns zu schützen. Wir tragen Masken da wir verschiedene Rollen haben. Oder weil manche unserer Gefühle zu intensiv sind, zu privat oder zu konfliktträchtig, um sie direkt auszudrücken. Also dosieren wir, ohne dass es eine „Lüge“ sein muss. Unsere Mimik, Sprache und unser Timing helfen, Missverständnisse zu reduzieren. Eine „freundliche“ Maske kann bedeuten, dass wir nicht feindselig sind und kooperieren möchten. Wir sind auch nicht statisch. In unseren Beziehungen testen wir, wie viel Nähe gut tut. Dabei entsteht oft ein wechselnder „Außenauftritt“. Wer von uns gelernt hat, wie man in der Kindheit gut durchkommt um Spannungen zu deeskalieren oder Erwartungen zu erfüllen, nutzt diese Muster später automatisch. Unsere Masken sind gesund, wenn wir die Maske bewusst wählen, sie nur kurzzeitig tragen, sie nicht unsere Bedürfnisse dauerhaft unterdrücken und wir ehrlich genug bleiben, um unsere Grenzen und unsere Wahrheit irgendwann auszusprechen. Entscheidend ist nicht das Tragen an sich, sondern ob wir die Masken steuern können und ob sie unsere inneren Bedürfnisse irgendwann wieder mit abbilden.