Es begegnen uns hin und wieder Menschen, die sich „verstellen“ und unehrlich wirken. Oder wir sind oft enttäuscht, wenn jemand nicht so ist, wie er vorgibt zu sein. Und es gibt Menschen, die uns irgendwie fehlerhaft oder widersprüchlich erscheinen. Wir empfinden Menschen oft als „falsch“, wenn ihr äußeres Verhalten nicht mit dem übereinstimmt, was wir für ihre inneren Motive oder wahren Gefühle halten. Das hängt stark mit unserem Bedürfnis nach Echtheit und Vertrauen zusammen. Mache Menschen wirken „falsch“, wenn sie etwas sagen, was nicht zu ihrer Körpersprache passt, oder wenn wir inkonsistente Verhaltensmuster wahrnehmen. Wir haben feine Antennen für Unehrlichkeit, weil das fürs unser Zusammenleben wichtig ist. Ein „falscher“ Mensch kann uns schaden, deshalb reagiert unser Gehirn empfindlich auf Widersprüche. Manche sehen das „Falsche“ auch darin, dass Menschen nicht perfekt sind – wir haben Widersprüche, Schwächen, und spielen oft Rollen, die uns nicht ganz entsprechen. Wir nehmen unsere Mitmenschen nicht nur über ihre Worte wahr, sondern auch über ihre Körpersprache, Stimme, Mimik und Gestik wahr. Wenn jemand „etwas sagt“, aber die nonverbalen Signale nicht dazu passen, wenn jemand lächelt und wirkt aber innerlich angespannt, spüren wir diese Dissonanz. Diese Unstimmigkeit löst Misstrauen aus – und wir empfinden diese als falsch. Wir sind von Natur aus „soziale Scanner“. Unser Gehirn ahmt Gefühle anderer nach – dies über sogenannte Spiegelneuronen. Wenn das, was wir „nachfühlen“, nicht mit dem Gesagten zusammenpasst, entsteht ein komisches Bauchgefühl. Dieses Gefühl interpretieren wir oft als: „Da stimmt was nicht“. In früheren Zeiten war es überlebenswichtig, eine Täuschung zu erkennen. Wer in einer Gruppe nicht ehrlich war, konnte die Gemeinschaft gefährden. Deshalb sind wir heute noch besonders empfindlich gegenüber Zeichen von Lüge, Manipulation oder Verstellung. Jeder Mensch nimmt im Alltag Rollen ein, ob er freundlich im Job ist und sich privat ganz anders benimmt. Wenn jemand seine „Maske“ zu stark trägt, wirkt es künstlich. Wir spüren: „Das ist nicht das echte Selbst.“ Und genau das nennen wir „falsch“. Oft hängt unser Empfinden auch von uns selbst ab – wenn jemand nicht so handelt, wie wir es erwarten, interpretieren wir das als Unechtheit. Das muss aber nicht unbedingt heißen, dass die Person bewusst „falsch“ ist, es kann auch an unseren Projektionen liegen. Wir empfinden Menschen als „falsch“, wenn ihre Worte, Taten und inneren Gefühle nicht übereinstimmen – und unser Gehirn diese Inkongruenz registriert. Das ist ein Schutzmechanismus, der uns helfen soll, ehrlich gemeinte von manipulativen oder unechten Signalen zu unterscheiden.
Warum wir Menschen als falsch empfinden
30. September 2025
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