Wir dürfen kapitulieren, sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn. Kapitulation kann sinnvoll sein, wenn wir gegen etwas kämpfen, das wir nicht kontrollieren können, wie bei einer Krankheit, bei vergangenen Ereignissen oder bei anderen Menschen. Auch wenn der Kampf uns kaputtmacht, ohne reale Aussicht auf eine Verbesserung und wenn das Festhalten nur aus Stolz, Angst oder Gewohnheit passiert. In diesen Fällen ist kapitulieren oft kein Aufgeben, sondern ein Loslassen. Das braucht Mut. Problematisch wird die Kapitulation, wenn sie aus Resignation entsteht „Ich bin wertlos, es bringt eh nichts“. Auch wenn wir noch Handlungsspielraum haben, ihn aber aus Angst nicht nutzen oder wenn sie langfristig unsere Werte oder Würde verletzt. Warum wird Kapitulation so negativ gesehen? Weil sie oft mit Schwäche, mit Feigheit oder Versagen gleichgesetzt wird. Dabei ist blinder Durchhaltewille oftmals das eigentlich Gefährliche. Ein Unterschied ist, beim Aufgeben sagen wir, es ist egal und bei der Kapitulation erkennen wir die Realität an und ändern unsere Strategie. Manchmal ist Kapitulieren tatsächlich der erste Schritt zu etwas Besserem.