Es ist menschlich, doch oft auch gefährlich. Wir tun es fast automatisch, denn unser Gehirn nutzt sich selbst als Referenz, um andere schnell zu verstehen. Das nennt man in der Psychologie Projektion. Wenn wir so denken, fühlen oder handeln, werden andere wahrscheinlich ähnlich handeln. Das spart Zeit, besonders bei Menschen, die uns ähnlich sind. Manchmal kann es auch sinnvoll sein. Für Empathie, wenn man offen bleibt und nachfragt oder bei ähnlichen Lebensrealitäten, wie ähnliches Alter, Kultur oder Situation. Wo es wahrscheinlich schiefgeht, wenn wir Unterschiede übersehen in der Persönlichkeit, der Kultur oder den Erfahrungen. Wenn wir Erwartungen aufbauen – Ich würde mich melden – warum tut die andere Person das nicht? Oder in Konflikten, da führt unsere Projektion oft zu Missverständnissen. Gut wäre es, wenn wir unsere eigene Perspektive als Hypothese sehen und nicht als Wahrheit. Wenn wir nachfragen statt einfach anzunehmen. Und offen bleiben für Überraschungen natürlich auch. Wenn wir ständig von uns auf andere schließen, kann das zu falschen Erwartungen, Druck oder Missverständnissen führen. Doch wir dürfen uns dafür auch nicht komplett verurteilen, wie oben schon beschrieben, denn unser Gehirn macht das automatisch, um die Welt schneller zu verstehen. Problematisch wird’s erst, wenn wir es nie hinterfragt. Helfen können uns Mini-Pause im Kopf: „Okay — das ist meine Sicht. Was wären zwei andere mögliche Gründe für das Verhalten der anderen Person?“ Oder auch Neugier statt Annahme, indem wir eine offene Frage stellen. Natürlich dürfen wir auch Unterschiede bewusst zulassen. Manche Menschen brauchen mehr Abstand, andere mehr Kontakt und beides kann völlig okay sein. Es geht natürlich nicht darum, es komplett abzustellen, sondern eher darum flexibler zu werden und zu hinterfragen.
Von uns auf andere schließen
13. Februar 2026
44 Views
