Im Zwiespalt zu leben ist eine Erfahrung die viele von uns häufige machen. Ein Zwiespalt bedeutet, dass jemand innerlich zwischen zwei oder mehr widersprüchlichen Gefühlen, Werten, Überzeugungen oder Entscheidungen hin- und hergerissen ist. Typische Situationen sind Wertkonflikte, wenn zwei unserer persönlichen Werte aufeinanderprallen. Häufig geht es um Ehrlichkeit gegenüber Loyalität zu jemanden. Entscheidungen mit Konsequenzen können auch einen Zwiespalt in uns auslösen. Oft bei einem Berufswechsel, bei einer Trennung oder einem Umzug. Wir suchen Sicherheit, aber auch Freiheit. Emotionale Ambivalenz tritt auf, wenn wir gleichzeitig Liebe und Wut gegenüber ein und derselben Person empfinden. Gesellschaftlicher Druck gegenüber unserer eigenen Wünsche ist auch ein Thema. Wenn Erwartungen von unserer Familie oder der Gesellschaft nicht mit unseren eigenen Zielen übereinstimmen. Warum passiert uns das? Weil wir sehr komplex sind und unterschiedliche Bedürfnisse, wie Nähe und Autonomie haben, oder mehrere Rollen als Elternteil, Partner und Berufstätiger vereinen müssen. Manchmal sind es auch moralische und emotionale Ebenen, die nicht immer übereinstimmen. In der Psychologie spricht man hier oft von Ambivalenz oder von kognitiver Dissonanz. Das bedeutet, dass unsere Gedanken, Gefühle und Handlungen nicht zusammen passen und das wiederum erzeugt Spannung. Doch im Zwiespalt zu sein gehört zur unserer persönlichen Entwicklung. Der Zwiespalt kann sogar hilfreich für uns sein, weil er zeigt, dass wir reflektiert sind und verschiedene Perspektiven wahrnehmen. Problematisch wird es nur, wenn uns der Zustand dauerhaft belastet, oder wir unsere Entscheidungen immer wieder vermeiden, oder in uns starke Schuldgefühle oder Angstgefühle entstehen. Dann kann eine Therapie oder ein Coaching helfen.
Im Zwiespalt leben
19. Februar 2026
159 Views
