Uneingeschränkt sein bedeutet wohl für jeden von uns, sich selbst zu erlauben, echt zu sein, ohne Angst vor Bewertung, ohne ständiges Anpassen, mit dem Mut, den eigenen Bedürfnissen und Werten zu folgen. Wir wollen erleben, da fühlen sich alle Einschränkungen schnell an wie Fremdbestimmungen, selbst dann wenn sie gut gemeint oder objektiv sinnvoll sind. Freiheit heißt nicht nur, Optionen zu haben, sondern sich als handelndes Subjekt zu spüren. Uneingeschränkt sein bedeutet für uns oft nicht reduziert zu sein. Nicht auf eine Rolle, eine Diagnose, eine Erwartung oder eine Grenze. Viele von uns verbinden Freiheit mit Wachstum, wie ausprobieren, scheitern und neu wählen. Einschränkungen wirken dann wie ein Stoppschild vor Möglichkeiten, die wir noch gar nicht erkundet haben. Einschränkungen erinnern uns leider auch daran, dass wir abhängig, verletzlich oder endlich sind. Uneingeschränkt sein fühlt sich dagegen sicherer an, so als hätten wir die Lage im Griff, selbst wenn das objektiv nie ganz stimmt. Was spannend ist, viele von uns merken erst viel später, dass völlige Uneingeschränktheit gar nicht unbedingt glücklich macht. Manche Grenzen geben uns Orientierung, Tiefe oder Verbundenheit. Aber emotional bleibt der Wunsch nach Freiheit trotzdem stark, weil er mit Selbstwert, Sinn und Lebendigkeit verknüpft ist.