Sprache und Gefühle gehören eng zusammen, weil unsere Sprache es uns ermöglicht, unsere Gefühle auszudrücken und diese mit anderen zu teilen. Durch Worte können wir anderen verständlich machen, was in uns vorgeht, und dadurch Nähe und Verständnis schaffen. Trotzdem kann unsere Sprache unsere Gefühle nicht immer vollständig wiedergeben. Unsere Gefühle sind oft sehr komplex, widersprüchlich und schwer in Worte zu fassen. Ein einzelnes Wort wie „Trauer“ kann beispielsweise ganz unterschiedliche Empfindungen wie Sehnsucht, Leere, Liebe oder Wut enthalten. Deshalb greifen wir häufig auf Gedichte, Geschichten, Musik oder Bilder zurück. Diese Ausdrucksformen können unsere Gefühle vermitteln, ohne sie genau benennen zu müssen. Sie versuchen, etwas spürbar zu machen, das wir mit einfachen Worten nicht vollständig erklären können. Unsere Sprache und unsere Gefühle ergänzen sich also, werden einander aber nicht immer vollständig gerecht. Unsere Sprache gibt unseren Gefühlen eine Form und macht sie mitteilbar, während unsere Gefühle der Sprache Bedeutung und Tiefe geben. Zwischen dem, was wir fühlen, und dem, was wir sagen, bleibt jedoch immer ein Teil, der sich nicht vollständig in Worte fassen lässt.