Unsere Gemütsbewegungen sind nicht immer sichtbar, aber deshalb nicht weniger wirklich. Sie wahrzunehmen und anzuerkennen bedeutet nicht, dass wir jeder Emotion sofort folgen müssen. Wir müssen unsere Gefühle nicht verstecken, nur weil wir sie nicht zeigen. Und wir müssen sie auch nicht immer nach außen tragen. Wobei zwischen unserem Unterdrücken und unserem ungefilterten Ausleben ein Raum liegt, wir können bewusst entscheiden, ob, wann und wie wir etwas zeigen. Vielleicht ist es deshalb sinnvoll uns zu fragen, nicht ob wir unsere Gefühle zeigen dürfen, sondern wem, wann und auf welche Weise wir unsere Emotionen und Gefühle zeigen wollen. Wir können ein Gefühl ehrlich aussprechen, ohne dass es den anderen überrollt. Und manchmal ist es genauso stimmig, wenn wir einen Moment warten, bis wir verstanden haben, was hinter unserer ersten Gemütsbewegung eigentlich steckt. Am Ende geht es um einen achtsamen Umgang mit unserem eigenen Inneren. Wir sollten unsere Gefühle wahrnehmen, sie anerkennen und dann entscheiden, was wir mit ihnen tun. Denn auch ein nicht gezeigtes Gefühl kann von uns angenommen sein, und ein gezeigtes Gefühl kann Ausdruck von unserer Bewusstheit sein, ganz sicher nicht von Schwäche.