Neue Lebensufer erreicht man selten mit einem einzigen großen Sprung. Meist entstehen die Brücken Stück für Stück aus unserer Neugier, unseren Beziehungen, aus kleinen Entscheidungen und manchmal auch aus unseren Krisen. Wir können solche Brücken auf verschiedene Arten bauen. Neue Lebensphasen beginnen wir oft durch Begegnungen, durch unsere Freundschaften, einem Mentoren, unseren Kollegen oder andere Gemeinschaften. Andere Menschen zeigen uns Möglichkeiten, die wir allein nicht gesehen hätten. Jede neue Fähigkeit ist eine Art Brücke. Ob wir eine neue Sprache oder ein Handwerk erlernen, Kunst genießen, unser Wissen oder unsere Selbstkenntnis erweitern, alles erweitert den Raum dessen, was für uns erreichbar wird. Mut zum Unfertigen hilft uns auch. Wir warten darauf, uns „bereit“ zu fühlen. Brücken entstehen doch oft erst, während wir schon losgehen, mit unserer Unsicherheit, improvisierten Brettern und vorläufigen Lösungen. Manche Ufer erreichen wir nur, wenn wir ein altes Ufer verlassen. Das kann schmerzhaft sein, denn ob wir Gewohnheiten, Rollenbilder oder Sicherheiten loslassen, wir verlassen unsere Komfortzone. Auch über unsere Vorstellungskraft können wir Brücken bauen, denn wer sich kein anderes Ufer denken kann, wird auch kaum eines finden. Dazu nutzen wir häufig unsere Visionen, die Literatur, die Kunst, unsere Reisen oder auch Gespräche öffnen in uns innere Landschaften, bevor für uns die äußeren Wege sichtbar werden. Große Veränderungen wirken oft überwältigend. Aber Brücken bestehen aus vielen einzelnen Verbindungen, dazu gehört ein Gespräch, eine Bewerbung, ein Spaziergang oder auch eine Entscheidung. Brücken entdecken wir also selten fertig, häufig bauen wir sie erst, indem wir anfangen hinüberzugehen.
Auf zu neuen Lebensufern – Brücken bauen
31. Mai 2026
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