Der Spruch „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“ ist in erster Linie eine saloppe, oft ironisch gebrauchte Redewendung, aber er hat durchaus eine philosophische Tiefe, wenn man ihn im Zusammenhang von Wandel und Wahrheit betrachtet. Meistens wird er von uns genutzt, um auszudrücken: „Ich habe meine Meinung geändert, und was ich gestern gesagt habe, ist heute nicht mehr bindend.“ Oft nutzen wir es leicht abwertend, als ob unsere frühere Aussage unwichtig oder gar unbedeutend gewesen wäre. Doch wenn wir es ernst nehmen, steckt darin wohl auch die Idee von Alles fließt und ist immer im Wandel. Unsere Überzeugungen verändern sich mit der Zeit. Was uns gestern noch richtig schien, kann heute falsch sein, weil wir dazugelernt haben oder sich die Umstände verändert haben. Wahrheit wird von uns vielleicht nicht als zeitlos und unveränderlich gesehen, sondern als etwas Dynamisches, das mit unserem Bewusstsein wächst. Wir können es natürlich auch problematisch sehen: Wer sein „Geschwätz von gestern“ leichtfertig abtut, wirkt unzuverlässig oder opportunistisch. Vor allem in der Politik und der Öffentlichkeit wird die Redewendung manchmal halb spöttisch verwendet, um inkonsequentes Verhalten zu rechtfertigen. Philosophisch gesehen, könnten wir dagegenhalten, auch wenn der Wandel unvermeidlich ist, brauchen wir Verantwortung für unsere eigenen Worte und Taten.