Wir machen oft das Gleiche aus unterschiedlichen Gründen, denn wir tragen meistens beides in uns, die Fähigkeit zu lügen, auszunutzen und zu vertrösten, genauso wie die Fähigkeit zu lieben, zu verwöhnen und zu helfen. Oft entstehen diese Verhaltensweisen aus denselben Grundbedürfnissen. Wir wollen geliebt, gesehen, sicher und wertvoll sein. Entscheidend ist hierbei, wie wir gelernt haben, mit unseren Bedürfnissen, Ängsten und Verletzungen umzugehen. Derjenige unter uns, der beispielsweise Angst vor Ablehnung hat, lügt vielleicht, um einen Menschen nicht zu verlieren. Wer Konflikte vermeiden möchte, vertröstet. Wer gelernt hat, dass er sich nur auf sich selbst verlassen kann, entwickelt möglicherweise eher Kontrolle oder Eigennutz. Umgekehrt kann jemand sehr viel geben, helfen oder verwöhnen, weil er echte Empathie empfindet, natürlich manchmal auch, weil er dadurch gebraucht wird oder sich Liebe sichern möchte. Deshalb sind wir nicht einfach „gut“ oder „schlecht“. Hinter unserem Verhalten können ganz unterschiedliche Motive stehen. Unsere Erfahrungen, unsere Erziehung, unsere Beziehungen und unsere persönlichen Entscheidungen entscheiden dadrüber, zu welcher Seite wir eher tendieren. Vielleicht besteht unsere menschliche Reife darin, die eigenen Muster zu erkennen und sich bewusst zu fragen: Warum handle ich gerade so? Aus Liebe oder aus Angst? Aus echtem Mitgefühl oder aus meinem eigenen Bedürfnis? Denn wir können unsere Impulse nicht immer bestimmen, doch wir können lernen, bewusster zu entscheiden, wie wir mit ihnen umgehen.