Die berühmte Zeile „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ stammt aus dem Drama Hamel von William Shakespeare. Sie steht im 3. Akt, 1. Szene, und ist Teil von Hamlets bekanntestem Monolog. Hamlet denkt laut über das Leben und den Tod nach. Er fragt sich, ob es edler ist, das Leiden des Lebens zu ertragen oder durch den Tod allem ein Ende zu setzen. Es geht um Existenz, Leid, Suizidgedanken, Angst vor dem Unbekannten (dem Tod) und um Handlungsunfähigkeit durch Grübeln. Mich reizt hier die psychologische Interpretation aus heutiger Sicht. Denn der Monolog lässt sich sehr gut modern-psychologisch deuten. Hamlet zeigt typische Merkmale einer existenziellen Sinnkrise, er hat Identitätszweifel, ist auf Sinnsuche und irgendwie auch überfordert durch eine moralische Verantwortung. Das passt gut zu Konzepten aus der Existenzpsychologie. Viele Psychologen lesen den Monolog als Ausdruck depressiver Gedanken, denn Hamlet ist am Grübeln, eine Hoffnungslosigkeit umgibt ihn, sein Gedankenspiele über Suizid und die Entscheidungsblockade runden das Bild ab. Hamlet wirkt nicht impulsiv, sondern eher überreflektiert. Seine Gedanken lähmen ihn. Ein zentraler Punkt ist die Angst vor dem, „was nach dem Tod kommt“. Psychologisch gesehen ertragen wir bekanntes Leid oft eher als unbekannte Konsequenzen. Und jegliche Angst vor Kontrollverlust verhindert Handlungen. Das ist bis heute hochaktuell. Aber warum ist das heute noch relevant? Weil die Frage „Sein oder Nichtsein“ heute weniger wörtlich, aber genauso existenziell gestellt wird. Wir fragen vielleicht, bleibe ich in diesem Job oder kündige ich? Halte ich diese Beziehung aus oder beende ich sie? Kämpfe ich weiter oder gebe ich auf? Wer bin ich eigentlich? Daher ist Hamlets Monolog im Grunde ein universeller innerer Konflikt zwischen Schmerz ertragen und Veränderung riskieren. Zu was tendieren Sie?