Unsere Schutzmechanismen entstehen meist schon in unserer Kindheit. Sie entwickeln sich aus unseren Erfahrungen und dienen ursprünglich dazu, uns vor seelischen Verletzungen, Angst, Überforderung, Ablehnung oder Enttäuschung zu schützen. Wenn wir in bestimmten Situationen erleben, dass unsere Gefühle nicht ernst genommen werden, wir nicht genügend Sicherheit erfahren oder uns allein gelassen fühlen, entwickeln wir unbewusst Strategien, um mit diesen Erfahrungen umzugehen.

Mit der Zeit werden diese Strategien zu unseren inneren Mustern. Manche von uns ziehen sich zurück, andere versuchen, es allen recht zu machen, sie kontrollieren Situationen, sie vermeiden Konflikte oder reagieren mit Rückzug, Angriff und Rechtfertigung. Wieder andere überspielen ihre Verletzlichkeit mit Humor oder versuchen, durch Grübeln und Erklärungen Kontrolle zu gewinnen. Was ursprünglich ein Schutz war, wird häufig zu einer automatischen Reaktion.

Das Besondere daran ist, dass unsere Schutzmechanismen meistens aus einem Bedürfnis nach Sicherheit und Zugehörigkeit entstehen. Sie haben uns wahrscheinlich früher geholfen, schwierige Situationen zu bewältigen. Im Erwachsenenleben können sie uns jedoch manchmal daran hindern, echte Nähe zuzulassen, offen über unsere Gefühle zu sprechen oder überhaupt Vertrauen aufzubauen. Wir reagieren dann leider nicht unbedingt auf das, was gerade geschieht, sondern auf das, was wir aus früheren Erfahrungen damit verbinden.

Der Weg zu mehr Bewusstheit beginnt damit, dass wir unsere eigenen Schutzmechanismen erkennen und dann natürlich nicht gegen sie anzukämpfen. Wir können uns jederzeit fragen: Wovor möchte ich mich gerade schützen? Welche Angst steckt hinter meiner momentanen Reaktion? Was brauche ich in diesem Moment wirklich? Wenn wir diese Zusammenhänge verstehen, können wir lernen, bewusster zu reagieren, statt automatisch in unsere alte Muster zurückzufallen.

Ganz wichtig – unsere Schutzmechanismen sind nicht unsere Schwächen. Sie sind meistens in der Kindheit entstandene Versuche unserer Psyche, uns zu schützen. Doch was uns früher Sicherheit gegeben hat, muss uns heute natürlich nicht mehr dienen. Wir müssen unsere Schutzmechanismen nur erkennen, dann können wir sie natürlich ablegen.