Nostalgie kann tatsächlich eine hilfreiche Ressource sein, und zwar dann, wenn es uns nicht gut geht. Früher wurde Nostalgie oft als etwas betrachtet, das uns in der Vergangenheit festgehalten hat. Die psychologische Forschung zeigt jedoch, dass sie häufig eine positive Funktion erfüllt. Die Nostalgie kann unser Gefühl von Verbundenheit stärken. Erinnerungen an Menschen, die uns wichtig waren, können das Gefühl vermitteln, nicht allein zu sein. Selbst wenn diese Personen nicht anwesend sind, erinnern wir uns daran, dass wir Beziehungen und Unterstützung erlebt haben. Nostalgie kann auch Kontinuität in unserem Leben schaffen. Vor allem in schwierigen Zeiten kann Nostalgie uns helfen, uns daran zu erinnern, wer wir sind und was wir bereits bewältigt haben. Sie verbindet die Gegenwart mit der eigenen Lebensgeschichte. Natürlich werden auch positive Emotionen aktiviert. Erinnerungen an schöne Momente können Freude, Dankbarkeit oder Wärme hervorrufen. Das löst Probleme zwar nicht direkt, kann aber die emotionale Belastung vorübergehend reduzieren. Auch Sinn und Bedeutung kann uns die Nostalgie vermitteln. Denn viele unserer nostalgischen Erinnerungen beziehen sich auf Ereignisse, Freundschaften, Familienerlebnisse oder persönliche Erfolge. Sie können uns daran erinnern, was uns wichtig ist und wofür wir leben. Wenn wir uns überfordert oder unsicher fühlen, kann der Rückblick auf vertraute alte Zeiten uns ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität vermitteln. Nostalgie kann für uns besonders hilfreich sein, bei einem Gefühl von Einsamkeit, nach Verlusten oder großen Veränderungen oder auch in Phasen von Unsicherheit oder Stress. Bewusst können wir in  Nostalgie schwelgen oder sie nutzen, wenn wir alte Fotos ansehen, Musik aus bestimmten Lebensabschnitten hören, oder mit Freunden oder Familienmitgliedern über gemeinsame Erlebnisse sprechen und wenn wir Orte besuchen, die für uns mit schönen Erinnerungen verbunden sind. Nostalgie hilft uns meistens dann, wenn sie eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt. Sie wird allerdings weniger hilfreich, wenn wir beginnen zu denken: „Früher war alles besser, heute hat nichts mehr Wert.“ Dann kann sie leider eher zu Unzufriedenheit oder Grübeln beitragen. Die nützlichste Form der Nostalgie lautet oft nicht: „Ich möchte zurück in die Vergangenheit.“ Sondern: „Diese guten Erfahrungen gehören zu meinem Leben – und sie zeigen mir, was mir auch heute noch wichtig ist.“