Der erste Schritt besteht darin, unsere intensiven Gefühle überhaupt als diese wahrzunehmen, natürlich ohne sie sofort zu bewerten. Statt uns zu fragen, warum wir gerade so empfindlich sind oder weshalb wir schon wieder so reagieren, können wir erst einmal anerkennen: „Das berührt mich jetzt wirklich sehr.“ Wir müssen unsere Gefühle weder unterdrücken noch uns für sie verurteilen oder schämen. Sie dürfen einfach da sein, auch wenn wir noch nicht genau wissen, woher sie eigentlich kommen.

Wenn unsere Gefühle besonders stark werden, hilft es häufig, erstmal innezuhalten und unseren Körper zu beruhigen. Ein paar bewusste Atemzüge, ein Spaziergang oder ein kurzer Moment in Stille können uns helfen, etwas mehr inneren Abstand zu gewinnen. Wir müssen nicht sofort reagieren, auch nicht etwas klären und erstrecht keine Entscheidung treffen. Manchmal ist es das Beste, wenn wir unsere starken Gefühlswellen erst einmal vorbeiziehen lassen.

Anschließend können wir versuchen, das Gefühl besser zu verstehen. Was hat es ausgelöst? Welche Gedanken verbinde wir damit? Und was brauchen wir gerade wirklich – vielleicht Sicherheit, Nähe, Verständnis, Klarheit oder auch eine Grenze? Dabei ist es wichtig, zwischen dem intensiven Gefühl und der tatsächlichen Situation zu unterscheiden. Wir dürfen natürlich Angst empfinden, ohne dass tatsächlich etwas Schlimmes passiert ist, und wir dürfen auch wütend sein, doch ohne andere zu verletzen. Wir können und dürfen unsere Gefühle ernst nehmen, jedoch ohne jedem Impuls folgen zu müssen.

Mit der Zeit können wir lernen, uns selbst mehr Halt und Verständnis entgegenzubringen. Dazu gehört, dass wir unsere Bedürfnisse wahrnehmen, gut für uns sorgen und bei Bedarf offen mit anderen über das sprechen, was uns gerade bewegt. Emotionale Stärke bedeutet nicht, immer ruhig zu bleiben oder möglichst wenig zu fühlen. Sie bedeutet vielmehr, auch in intensiven Momenten mit uns selbst in Verbindung zu bleiben. Wir müssen natürlich nicht weniger fühlen, sondern wir können lernen, unsere Gefühle besser zu verstehen und liebevoller mit uns und unseren Gefühlen umzugehen.