Jede Generation hat andere Aufgaben zu bewältigen und andere Hürden zu nehmen und genießt auf ihre Weise. Und jede Generation bekommt und gibt weiter. Auch unsere Eltern, unsere Erziehenden gehören dazu und sie konnten nur das weitergeben, was sie kannten, was man ihnen gezeigt und gelehrt hatte. Wenn uns etwas gefehlt hat, könnte man sagen, sie haben es nicht aus Mangel an Liebe gemacht, nicht aus Unwillen, sondern weil niemand etwas weitergeben kann, was er selbst nie erfahren hat. Denn jeder reicht nur die Schätze weiter, die er in seiner eigenen Schatzkammer trägt. Wir sind Kinder unserer Eltern, doch zugleich Kinder einer Zeit, die ihnen fremd geblieben ist. Ihre Erfahrungen haben uns geprägt, doch ihre Grenzen wurden auch zu unseren Grenzen. Und gerade darin liegt ein unausgesprochener Auftrag an uns, die neue Generation, über jene Schwelle hinauszugehen, die sie nicht überschreiten konnten. Jede Generation trägt die Spuren der vorherigen, aber sie ist zugleich auch dazu bestimmt, neue Spuren zu legen. Wir sind eingeladen, weiterzusuchen, zu fragen, zu lernen – um das, was uns fehlte, nicht als Verlust zu sehen, sondern als Möglichkeit, es selbst zu entdecken. So entsteht ein unsichtbares Band, unsere Eltern gaben uns, was sie hatten. Wir fügen hinzu, was wir finden. Und natürlich geben auch wir weiter, nicht das Vollkommene, sondern nur das Stück Welt, das durch uns sichtbar geworden ist, bekommt die neue Generation.