In der systemischen Therapie wird bei Essstörungen häufig weniger auf das Essverhalten selbst geschaut, sondern auch auf unsere Beziehungen, unsere Rollen, unsere Kommunikationsmuster, unsere Ressourcen und die Funktion der Symptome in unserem sozialen Kontext. Die Fragen sind oft offen und neugierig formuliert. Fragen zur Bedeutung der Essstörung können sein: Wann ist die Essstörung zum ersten Mal in Ihrem Leben aufgetaucht? Was hat sich damals in Ihrem Umfeld oder in Ihrer Familie verändert? Zum Perspektivenwechsel können die Fragen in etwa so aussehen: Was würde Ihre Mutter, Ihre Tante sagen, warum die Essstörung entstanden ist? Wer würde die größte Veränderung bemerken, wenn das Problem kleiner würde? Auch Fragen zu Beziehungen und Familiendynamiken gehören dazu: Wie reagieren die Menschen um Sie herum, wenn das Thema Essen auftaucht? Wer unterstützt Sie besonders? Ressourcenorientierte Fragen dürfen auch nicht fehlen: Gab es Zeiten, in denen die Essstörung weniger Raum eingenommen hat? Was war damals anders? Die Ausnahmefragen könnten so lauten: Gibt es Tage, an denen die Essstörung weniger Einfluss hat? Was ist an diesen Tagen anders? Ein Muss sind meistens auch Skalierungsfragen: Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie stark bestimmt die Essstörung aktuell Ihren Alltag? Was müsste passieren, damit Sie von einer 4 auf eine 5 kommen? Es gibt natürlich noch weiter typische Systemische Fragen. Systemische Therapeutinnen und Therapeuten stellen diese Fragen selbstverständlich nicht schematisch, sondern passen sie natürlich an die jeweilige Person und die Form der Essstörung an, etwa bei Anorexia nervosa, Bulimia nervosaoder Binge-Eating-Störung. Der Fokus liegt meistens darauf, Muster und Ressourcen sichtbar zu machen, statt ausschließlich die Symptome zu analysieren.
Wie die Systemische-Therapie mit Essstörungen umgeht
8. Juni 2026
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