Doch unsere Liebesbeziehung brauchen Pflege, denn meistens gibt es keinen dauerhaften Idealzustand, sondern es ist eine Beziehung, in der beide Partner immer wieder gemeinsam dorthin zurückfinden. Beide achten auf die Bedürfnisse des anderen, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Macht, Verantwortung und Einfluss sind nicht dauerhaft einseitig verteilt. Diese Beziehung fördert Entwicklung, Neugier und neue Perspektiven statt Stillstand. Wünsche, Grenzen und Konflikte werden möglichst offen angesprochen. Die Beziehung gibt mehr Kraft und Sinn, als sie langfristig kostet. Solche Beziehungen entstehen oft, wenn wir uns selbst einigermaßen kennen, Verantwortung für unsere Gefühle übernehmen, Konflikte austragen können, ohne den anderen abzuwerten, ein echtes Interesse am Innenleben unseres Gegenübers haben und wenn wir bereit sind, uns auch ein bisschen verändern zu lassen. Wer genießt eine solche Liebe? Nicht unbedingt die Schönsten, Reichsten oder Glücklichsten. Häufig sind es diejenigen unter uns, die sowohl Nähe als auch Eigenständigkeit zulassen können. Die akzeptieren, dass Liebe nicht nur ein Gefühl, sondern auch ein fortlaufender Prozess ist. Oft entwickeln wir nach einer Phase des Kennenlernens, gegenseitigen Vertrauens und treffen viele kleine Entscheidungen füreinander. Manchmal auch erst nach gescheiterten Beziehungen, aus denen wir etwas gelernt haben. Die Vorstellung einer Beziehung, die immer fürsorglich, gleichberechtigt, kreativ, inspirierend, klar und erfüllend ist, gehört natürlich eher ins Reich der Ideale. Unsere realen Beziehungen verlaufen immer in Phasen. Es gibt Missverständnisse, Belastungen, Ungleichgewichte und Zeiten geringerer Inspiration. Es gibt wahrscheinlich nicht die perfekte Liebe, sondern es gibt für jeden von uns jemanden, mit dem wir gemeinsam eine ganz besondere Beziehung gestalten können, die diesen idealen Werten vielleicht sogar ein bisschen entspricht.