Trauer entsteht nicht nur beim Verlust eines geliebten Menschen. Wir können und dürfen auch um vieles andere trauern. Ob wir um eine Beziehung, um verlorene Möglichkeiten, um unsere Gesundheit oder Sicherheit, um enttäuschte Erwartungen oder um unsere Heimat, unsere Zeit, unsere Freundschaften oder Lebensphasen trauern, jeder Aspekt will zu einer bestimmten Zeit von uns gelebt werden und darf auch betrauert werden. Trauer ist eigentlich unsere Reaktion darauf, dass etwas Bedeutendes nicht mehr so ist wie vorher. Wir dürfen unsere Trauer annehmen, denn wenn wir unsere Trauer verdrängen, verschwindet sie meist nicht einfach. Sie zeigt sich dann oft indirekt als innere Unruhe, als Gereiztheit, oder emotionale Erschöpfung, wir können auch Leere empfinden, uns ständig ablenken oder fühlen eine körperliche Anspannung. Annehmen bedeutet natürlich nicht, den Verlust gutzuheißen oder darin stecken zu bleiben. Es bedeutet eher, dass wir uns sagen: „Das tut weh und das ist wirklich so.“ Dadurch verwenden wir weniger Energie darauf gegen unsere eigenen Gefühle anzukämpfen. Erst dann können wir meistens mit der der Verarbeitung unseres Verlusts beginnen. Psychologisch hat Trauer auch noch eine wichtige Funktion. Die Trauer hilft uns, uns innerlich an die Veränderungen anzupassen. Unsere Gefühle ordnen die Veränderung und Bedeutung neu. Das braucht Zeit. Oft entsteht später daraus mehr Klarheit, mehr Mitgefühl, wir entwickeln mehr Reife oder ein realistischeres Verhältnis zum Leben. Und auch super interessant ist es, wir empfinden Trauer häufig besonders stark dort, wo zuvor Bindung, Hoffnung oder Liebe war. Trauer zeigt uns also oft auch, dass uns etwas wirklich wichtig war.
Trauer annehmen
19. Mai 2026
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